Eier

Es geht nichts über eine gewisse Routine.

Jeden Samstagmorgen und auch Sonntagmorgen führen meine Tochter und ich folgende Konversation:

Ich: gerade aufgestanden und leicht verschlafen, am Weg in die Küche zum Frühstück machen.
Das Kind: schon etwas länger auf, aber immer noch verschlafen, meist vor dem Fernseher oder im (und ich meine IM) iPAD zu finden. (Und ja, ich weiß, das ist nicht sonderlich pädagogisch wertvoll, dafür kann ich aber länger schlafen als bis halb acht! Also bitte habt Gnade).

Ich: Was möchtest Du Frühstücken?
Das Kind: …
Ich: WAS möchtest Du Frühstücken?
Das Kind: …
Ich: Schatz, WAASS möchtest Du Frühstücken?
Das Kind: ..
Ich: Möchtest Du Eier?
Das Kind: …
Ich, am Weg ins Wohnzimmer: Haaalllllooooo, möchtest DU EIER?
Das Kind, blickt auf und nimmt mich das erste Mal wahr: Was?
Ich: Möchtest Du Eier??????
Das Kind: Ich hab Hunger.
Ich: Ja, eh. Ich mach grad Frühstück. Eier?
Das Kind: Ja.
Ich: Bitte.
Das Kind: Was?
Ich: Ja, bitte!
Das Kind: Ja eh.
Ich: Gut. (und gehe in die Küche).
Ich, aus der Küche: Wie möchtest Du Deine Eier?
Das Kind: …
Ich: WIE möchtest Du deine Eier?
Das Kind: …
Ich: Schaaatttzzzzz, WIE möchtest Du Deine Eier.
Das Kind: …

Ich, mit Eier und Kochlöffel in der Hand am Weg ins Wohnzimmer: WIE MÖCHTEST DU DEINE EIER.
Das Kind: ….
Ich, im Wohnzimmer: SAG MAL, WIE WILLST DU DEINE SCH* EIER?
Das Kind, schaut auf: Kannst Du mir ein neue Spiel runterladen.
Ich: ICH KANN JETZT GRAD GAR NIX, ICH WILL FRÜHSTÜCKEN. SAG MIR ENDLICH WIE
DU DIE VERF* EIER WILLST.

(In diesem Stadium befürchte ich meist, dass bald die Nachbarn auftauchen. Klingeln und mir sagen, wie sie ihre Eier gerne hätten und ob sie denn endlich fertig wären.)

Das Kind, relativ ungerührt: Verrührt.
Ich: Bitte.
Das Kind: Bitte.
Ich: ……

Am weg in die Küche, höre ich das Kind schreien: MAAAMMMAAAAAA, sind die Eier eigentlich schon fertig? Ich hab schon sooo Hunger.

Ich: ….

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Entwarnung

Ach die Schule. Ein Traum. Sozusagen a permanent rollercoaster. Ich bin so froh, dass es die Schule gibt, sonst hätte ich vermutlich so viel weniger Spannung in meinem Leben. Ich bin demnach auch sehr gespannt, wie viele Einträge ich noch der Schule widmen werde.

Die zweite Schularbeit liegt hinter uns.
Diesmal mit einem etwas anderem Ergebnis: Das Kind hat die beste Matheschularbeit der Klasse abgeliefert und 33 von 34 Punkte erzielt. Hurra. Wir haben also unsere erste Eins. Stolz ich bin. Eh klar.

Aber auch dieses Mal will ich nicht auf die Tatsache hinaus, dass wir jetzt zur Streberfraktion gehören, und ich schon mal sicherheitshalber „Harvard“ kontaktiert habe, damit die Bescheid wissen, dass die nächste Elitestudentin heranwächst.
Nein, auch dieses Mal war mein Kind nicht die große Plaudertasche und ist mir schon im Hort entgegengerannt, um mir von ihrem großen Erfolg zu erzählen. Nö, sie hat sicherheitshalber mal wieder nix gesagt. Gar nix. Null. Nada.

Erst am Abend, als ich nebenbei fragte, wann sie denn eigentlich die Schularbeit zurückbekommen, meinte sie so: „Ach, die haben wir heute bekommen.“ Ich dann so: „Jaaaaaa uuuunnndddddd???!!!“ Sie wieder völlig entspannt und auch ein wenig genervt „Alles gut, ich habe eine eins und die meisten Punkte von allen.“ Dabei dreht sie sich um und schaut weiter in ihr Buch… Während ich mit Tränen des Stolzes in den Augen die Arme ausbreite und sie drücken will, was sie wiederrum ignoriert und das ganze Drama gar nicht versteht.

Mein Kind! Sie ist so toll. Ich mag ihre offene und extrovertierte Art. Ihr Mitteilungsbedürfnis ist riesig und es freut mich sooooo, dass sie mit allem immer gleich zu mir kommt und mich mit Informationen und Geschichten überhäuft. Bla Bla und Grummel.

Gut, ich gebe zu, sie hat sich sehr gefreut und sie gibt zu, dass sie stolz ist und und und. Es hat zwar zwei Tage gebraucht, diese Info aus ihr herauszubekommen, aber immerhin. Aber auch am Wochenende, das wir endlich wieder Mal bei der Familie verbracht haben, rennt sie nicht auf alle zu und erzählt von ihrem Erfolg. Sie ist eben bescheiden, denk ich mir.

Fakt ist, ich glaube, sie ist einfach wirklich so. Sie ist ruhig, sie macht sich die Dinge lieber mit sich selber aus und ist eben nicht die große Plaudertasche. Und das ist gut so und es ist für mich vor allem gut, dass ich erkenne, dass dem ebenso ist. Schwierig ist nur, dass ich zur Fraktion „Mega-Plaudertasche“ und „extrem extrovertiert“ gehöre. Es also gar nicht einfach für mich ist, ihr Verhalten und ihre Art zu verstehen. Bin ich doch ganz ganz anders. Das fällt wohl in die Kaegorie „Mutter erkennt, dass ihr Kind doch eine eigenständige Person ist und nicht ihr Mini-Me“

Ich werde mich jetzt also bemühen, sie zu verstehen und bin (vorerst) beruhigt. Es liegt nicht zwingend an mir, dass sie nicht sofort, wenn sie nach Hause kommt, mir Wasserfall artig jedes Detail aus der Schule erzählt, sondern die Dinge für sich behält. Sie braucht ihre Zeit und wenn es sein soll, dann kommt sie und redet sie. Und vielleicht kann ich ja sogar etwas von ihr lernen und auch ein wenig mehr für mich behalten (mein Umfeld wird es danken) oder sie lernt etwas von mir und erzählt vielleicht hin und wieder doch ein wenig mehr.

Ich fühl mich auf jeden Fall besser und nicht mehr ganz so wie die schlechteste Mutter auf diesem Planeten und das tut gut.

 

Notendisaster

21317438_1903585606334711_3413760652870692282_nMeine erste Schularbeit im Gymnasium war eine Deutsch-Schularbeit. Und ich habe sage und schreibe, eine Fünf bekommen. Meinen ersten echten „Fetzn“, wie die Wiener zu sagen pflegen. Ich habe Rotz und Wasser geheult und von diesem Moment an standen meine D-Professorin und ich auf Kriegsfuß. Das ging 8 Jahre so. Ich hatte entweder eine 1 und war uuuurrrrr toll: So phantasievoll, so einen tollen Wortschatz, so emotionale und spannende Geschichten, bla bla. Oder ich hatte eine fünf. Weil die Rechtschreibung eine Katastrophe ist und die Beistriche erst! Okay, ich denke, jeder der schon ein zwei meiner Beiträge gelesen hat, merkt vermutlich, dass ich nicht 120% auf Rechtschreibung oder gar Beistriche achte. Drauf gesch*! Ich schreibe mir hier meine Emotionen von der Seele und genauso sprudeln die Worte aus mir raus. Mir geht es um den Inhalt und nicht um….

Moment Stopp, ich muss aufhören, von mir zu erzählen.

Ich will Euch ja eigentlich berichten, wie wir die erste Schularbeit meiner Tochter hinter uns gebracht haben. Tja…

Vor ein paar Tagen hat sie stattgefunden die allererste Schularbeit und das in Deutsch. Und es sieht so als, als wäre meine große Kleine ähnlich veranlagt wie ich. Sie sitzt zu Hause und schreibt stundenlang Geschichten. Sie liebt es zu schreiben und sie macht das besser als ich. Sie hat weniger Fehler und ich liebe ihre Wortwahl. Wie auch immer, die erste Schularbeit, war toll, aber nicht ganz so fehlerfrei, wie wir gehofft haben. Es war eine 2.

Eine 2!!!!

Mega hab ich mir gedacht.

Für mich als Mutter ist eine 2 super toll. Ich hätte mir in der Schule oft eine 2 gewünscht, war aber mehr der 4rer Typ. Es ist aber trotzdem etwas aus mir geworden, nur um das mal festzuhalten!

Das Kind war recht happy zu Hause, als sie mir die Note präsentierte. Zugegebenermaßen ich habe irgendwie mit einer 1 gerechnet, aber was soll´s. Das Kind war cool. Es gab ein Geschenk zur ersten Schularbeit und alles super.

Neeee leider nicht alles super.

Am nächsten Tag hielt mich die Lehrerin meiner Tochter auf und fragte mich, ob wir das Drama überlebt haben? Und ob es noch recht schlimm war und es tut ihr doch alles so leid.

Welches Drama, fragte ich nichts ahnend. Und erfahre, dass mein Kind völlig fertig war, ob ihrer Note. Sie hat bitterlich geweint In der Schule und im Hort. Völlig traurig und enttäuscht, dass sie keinen Einser hat, sondern NUR eine Zwei. Wahnsinn. Und ich, ich stand da und war völlig ahnungslos. Ich habe nichts, null, nada von dem Drama mitbekommen. Mir gegenüber war sie wie immer die Coole von der Schule. Ich hatte keine Ahnung, dass sie so traurig war. Wahnsinn, ich bin echt dumm gestorben in diesem Moment.

Das Wissen, dass es meiner Tochter schlecht ging und ich nichts davon wusste, hat mir ernsthaft den Tag ruiniert und beschäftigt mich seitdem immer noch.

Warum hat sie nicht mit mir geredet?
Warum erzählt sie nicht mir, dass es ihr schlecht geht?
Warum weint sie in den Armen der Hortpädagogin und nicht in meinen?
Warum tut sie zu Hause so cool, wenn es ihr doch nicht soo gut geht?
Oder war das nur der erste Schock?
War dann alles Okay und sie wollte gar nicht mehr darüber reden?

Es geht gar nicht um die Note. Mir sind Noten sch* egal.

Klar brauchen wir sie, damit es weitergeht in der Schule. Aber nachdem ich ohnehin nicht an unser Schulsystem glaube – sind sie mir relativ egal. Ich finde ein 2 spitze. Es zählen andere Dinge.

ABER, dass sie nicht zu mir kommt und bei mir weint, beschäftigt mich richtig. Das tut weh und macht mir Angst. Ich frage mich, ob ich genug Zeit habe? … ob ich etwas falsch mache? … ob ich genug auf sie eingehe? …ob ich mit Abstand die mieseste Mutter aller Zeiten bin? .. ob ich mich mehr um sie kümmern muss? …….

Hmmmmm…

Das war´s dann auch schon. Mehr gibt es nicht zu erzählen.

Ich muss das alles erst mal verdauen…

Euer Mutterschiff

You can´t always get what you want….

Wie viele Nächte bin ich schon zu Hause gesessen und habe meine Freunde beneidet, die mir via Facebook, Instagram und Co mitgeteilt haben, dass sie gerade auf DER mega Ausstellungseröffnung oder auf der Party des Jahrhunderts sind.
Boah, die haben ein tolles Leben. Boah, die sind auf der Straße NACH 20.30! Boah, die machen sich hübsch und sind voll in, „quasi mitten in der Szene“. Boah denen geht es gut, die trinken gerade einen fantastischen Rotwein und shoppen den „latest Shit“ im neuesten „super fancy Pop-Up Store“. Und ich?
Ich sitze auf der Couch. Mit meiner ewig alten und ausgebleichten Jogginghose, die Frisur zerstört, in dicken Wollsocken und zappe mich durch ein nichtexistentes Fernsehprogramm. Rock ‘n Roll pur.

Jedes Mal wieder bekomme ich diesen Mutter-Blues. Ich bin einsam und allein und es ist absolut nix los in meinem Leben. Mein Sozialleben zieht an mir vorbei und das alles nur, weil ich mir keinen Babysitter leisten kann und will. Ich will auch nicht jedes Mal eine Freundin anraunzen, ob sie auf einen ihrer tollen Abende verzichten will, um auf mein Kind aufzupassen. Außerdem steht das Kind nicht so auf fremde Personen, die auf sie aufpassen auf Nacht. Speziell nicht, wenn diese nicht direkt mit ihr verwandt sind. Und dann muss man das so viel organisieren und dann hat man ein schlechtes Gewissen und und und. Es ist einfach so mühsam.

Okay, ich gebe zu, hin und wieder schaffe ich es dann schon, mir jemanden zu organisieren. Meist ist es der Ex, der auf sie aufpasst (Danke Dir dafür aus ganzem Herzen!) und ich nutze die Chance und hau von zu Hause ab.

Ich geh dann aber nicht in die neueste Galerie und hau mir literweise Rotwein in die Figur. Nein, ich arbeite dann meist. Bringe meine Events hinter mich und gebe mich als Highlight einem kurzen Netzwerken bei EINEM Glas Rotwein hin. Tja so ist das – voll Rock ‘n Roll.

Und dann gibt es auch noch diese Abende wie gestern.

Einer dieser seltenen Abende an denen ich nach Hause komme und das Kind nicht da ist. Auch die Stubentiger sind weg. Sie sind in den Ferien zu Hause. Ihr wisst schon die dreihundert irgendwas Kilometer entfernt.

Und was mach ich. Ich bin hundemüde vom Tag und sitz erst wieder auf der Couch in oben beschriebenem Outfit.

Nein, ich mache nicht hysterisch Party – nicht mal mit mir selber.

Nein, ich sitze auf der Couch und bekomme eine „offene Depression“. Die Wohnung ist leer und einsam. Keine Katze schnurrt, kein Kind huscht in der Nacht vielleicht zu mir. Keine Katze schmeißt in der Nacht mal schnell das Waschmittel runter und verschwindet lautstark unter meinem Bett in ihrer Panik.

Nichts.

Es ist leise.

Es ist einsam.

Und ich?

Ich bin traurig und wünsche mir nichts sehnlicher, als dass mein Kind wieder da ist.

Tja.

So ist das wohl im Leben. Man will immer das was man nicht haben kann.

 

Allerdings muss ich jetzt auch gestehen, dass ich bis Punkt 10 Uhr durchgeschlafen habe.

Es hat also auch seine Vorteile, wenn Kind und Fellnasen weg sind.

Fazit: Ich werde also überleben und vielleicht, aber nur vielleicht gehe ich heute sogar aus. Vielleicht aber auch nicht. Mal sehen.

Und hier der passende Song.

Mission Impossible oder Nur mehr 8 Jahre und ein paar Monate Hausübung..

Neulich fand ich mich in folgender Situation wieder:

Ich am Fahrersitz, das Kind schräg hinter mir, in unserem Auto, vor unserem Haus, quasi am Weg zur Schule… nur anstatt, den Motor zu starten und loszufahren, war ich gerade dabei krampfhaft irgendein Mathebeispiel zu lösen.
Warum?

Weil mein Kind am Weg aus der Wohnung draufkam, dass WIR, nein Moment ich korrigiere, ICH am Vorabend vergessen habe, zwei Mathebeispiele zu lösen.
Da sitz ich also im voll Stress, das Kind mault mich von hinten an, weil ich es nicht „so mache, wie die Lehrerin“ und ich versuche nicht die Nerven zu verlieren. Das ganz passierte natürlich auch noch unter Zeitdruck, weil wir ja zur Schule müssten und wie immer nicht total pünktlich die Wohnung verlassen haben.

Meine Gefühlswelt schlägt Saltos in diesem Moment und ich fühle mich ein wenig so, wie die Leute in dieser Fernsehshow. De mit dem Draht, wo irgendjemand einen Ring einem Draht entlangfahren muss, ohne diesen zu Berühren. Meine Nerven sind aufs Äußerte angespannt. Ich atme tief und langsam, so wie man es vom Yoga kennt, in der Hoffnung meine Konzentration zu bewahren. Dazu kommt, dass ich trotz zwei abgeschlossener Studien es nicht schaffe, die Hausübung der 4. Klasse Volksschule zu lösen. Arrrgggghhhhh. Es packt mich der Ehrgeiz. Das gibt´s ja nicht, das muss ich doch auf die Reihe bekommen. Grübel. Gleichzeitig denk ich mir aber auch: „Warum genau sitze ICH jetzt da und mach die Hausübung, anstatt dem Kind zu sagen, es möge sie doch bitte selber machen. Immerhin ist meine Schulzeit (Gott sei Dank) vorbei.“
Wie auch immer, die Situation ist angespannt und wir haben sozusagen unseren „very private Mission Impossible-Moment“. Nur die Filmmusik im Hintergrund fehlt.

Endlich.
Da ist sie die Lösung.
Ich bin zufrieden.
Allerdings bin nur ich zufrieden. Das Kind wütet.
Ich habe die Regel vergessen.

Die Regel, die zu dem Beispiel gehört und die ICH nicht ausgefüllt habe.
Natürlich habe ich das nicht, ich hab mich doch auf die Lösung konzentriert. Was weiß ich, dass es da auch noch eine Regel gibt. Aber die ist wichtig, genau um die geht es, erklärt mir das Kind. Panik befällt mich, OMG ich habe die sch* Regel nicht und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie sie geht. Was also tun?
Ein Blick auf die Uhr entscheidet. In zwei Minuten läutet die Schulglocke und diesmal behält das Kind die Nerven und fällt eine knallharte Entscheidung: Es ist schlimmer der Lehrerin zu erklären, dass man zu spät ist, weil die eigene Mama zu lang für die Hausübung gebraucht hat, als zu sagen, dass man eine Regel vergessen hat.

Mir fällt ein Stein von Herzen, da habe ich noch mal Glück gehabt.

Von der Erweiterung meines Musikgeschmacks.

Ich weiß ja nicht, ob Ihr das kennt. Aber ich kann plötzlich Lieder mitsingen, von denen ich vorher kaum gewusst habe, dass es sie gibt. Und wenn ich gewusst hätte, dass es sie gibt, dann wäre ich entweder a. eine andere Person oder b. sehr einsam. Einsam aus dem einfachen Grund, weil es ja immer heißt: Geschmack macht einsam.

Die Tatsache, dass ich jetzt neue Textzeilen beherrsche, alleine würde mich aber nicht nervös machen.  Was mich ernsthaft irritiert, ist dass ich diese Lieder nicht nur mitsingen kann, sondern diese sogar mag. Ich ertappe mich sogar wie ich leise in der S-Bahn – am Weg in die Arbeit – Lina Larissa Strahl vor mich hinsumme. Peinlich peinlich, sag ich da nur.

Woran mein neuer Musikgeschmack liegt? Ich weiß es nicht genau.

Vielleicht an der Tatsache, dass ich alt werde? Oder es liegt dran, dass mein Kind größer wird? Vielleicht liegt es aber auch einfach nur an der Stereoanlage in ihrem Zimmer oder an der doofen Zahnfee die immer die falschen CDs bringt. Wobei die Stereoanlage gab es früher auch. Nur dort liefen bis vor Kurzem noch ???Kids oder 5 Freunde. Seit dem Zeitalter von Bibi&Tina hat sich das aber schlagartig geändert und jetzt grölle ich – gemeinsam mit dem Kind – schon vor 7.30 fröhlich „Mädchen auf dem Pferd“ durch die Wohnung.

Neben den neuen Interpreten und Songs, finde ich ja auch das Verhalten des Kindes spannend. Früher war sie kaum aus dem Bett zu bringen und hat grundsätzlich erst kurz vor dem Schultor zu sprechen angefangen. Jetzt ist sie – zugegebener Maßen – immer noch schwer aus dem Bett zu bringen, ist sie dann aber auf, ist der erste Gang nicht mehr der zur Toilette, sondern der zur Stereoanlage und da ist es wieder, das Mädchen auf dem Pferd.

Die letzten Wochen habe ich immer wieder überlegt, in wie weit das alles unter Pubertät oder zumindest unter „Vor-Pubertät“ fällt. Oder ob das unter Umständen wirklich alles nur mit einem ausgeprägten „anderen“ (Musik-)Geschmack zu tun hat. (Man muss ja nicht alles so machen wie Mama. Obwohl Mama das natürlich toll fände.)

Echte Beruhigung stellte sich dann aber erst vor Kurzem ein. Nämlich als sich das Musikspektrum meiner Tochter plötzlich merklich ausweitete und (endlich) die guten alten Songs der 80er dran waren. Seit dem gröllen wir „Take on me“ und „Faith“ durch die Bude und siehe da, auch diese Textzeilen beherrsche ich noch (teilweise).

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass die Nachbarn zumindest annähernd unseren Musikgeschmack teilen. Die Katzen sind nämlich mäßig begeistert und verstecken sich hinter der Wachmaschine und zwar egal was wir singen. Wobei das liegt vermutlich nicht an den Texten und auch nicht an der Songauswahl. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und statt einem Bild muss natürlich ein Video her.

Irgendwie…

.. freu ich mich auch schon wieder auf den Zeitpunkt, wenn die Ferien zu Ende sind.

Ja klar, das Kind ist dann wieder jeden Tag da.

Ja klar, die Routine hat uns wieder.

Ja klar, ich muss jeden Abend warten, bis sie eingeschlafen ist, damit ich etwas machen kann.

 

Aber, ich kann jeden Tag in ihren Haaren schnüffeln.

Aber, ich kann jeden Tag mir ihr blödeln.

Aber, ich kann ihr jeden Tag sagen, dass sie das Wichtigste in meinem Leben ist.

 

2 Wochen noch – dann ist Schluss mit meiner Freiheit.

Juhu!